Prügelstrafen

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Prügelstrafen

Beitragvon haspelmeier am 05 Apr 2010, 13:18

Hallo@alle,
die Nachrichten sind derzeit voll von Mißhandlungen auch von Seiten der Lehrer. :Schlaege: :Schlaege: :Schlaege:
Mit Jahrgang 38 gehöre ich zu den Betroffenen :cry: :( :roll: Natürlich ist es gut, daß man die körperliche Züchtigung verboten hat, weil die Grenzen nicht zu definieren sind und so manches Unheil (?) angerichtet wird. Aber es gibt auch die ins Lächerliche gezogene Aussage der Erlebnisgeneration in den Medien "naja es hat ja keinem geschadet eher das Gegenteil" .
Von der Opferseite, zu der ich gehöre, kenne ich keinen einzigen Mitschüler, der irgendeinen Schaden davon getragen hätte, was sich auch später in Bekanntenkreisen immer bestätigen ließ. Außerdem war es meist redlich verdient, wenn man nach vorn zu kommen hatte, um mit dem Stock was abzukriegen. Andere Verfahren waren z.B. Haareziehen, Ohrläppcherverdrehen, Linealschläge auf die Finger oder Ohrfeigen. Also ich hatte alles, wovon die Ohrfeigen allerdings oft noch Nachwirkungen hatten in Form von Kopfschmerz. Aber die Rohrstockverabreichungen waren, wenn auch ordentlich geschlagen, eher ein Gaudi. wobei man sich noch grinsend zu den Mitschülern hinwendete. Danach ging man als kleiner "Held" auf seinen Sitz zurück. Eher waren es die Pflaumen und Schleimer, die nie was kassiert haben. Bei mir war es immer so, daß ich keine Gelegenheit zur Kasparei ausgelassen habe, was die Nerven der Lehrer belastet hat. Und bei den Lehrern muß man sagen, daß das die Leidensgeneration des 6jährigen Krieges war, die tatsächlich keine Möglichkeit hatte, das Grauen des Erlebten in irgendwelchen therapeutischen Sitzungen zu mindern. Heutzutage zahlt die Krankenkasse ja schon den Therapiebedarf, wenn ein Patient den Bus verpasst hat, wie es bei uns leicht überzeichnet heißt.
Mein Vater hatte beide Weltkriege mitmachen müssen und er hätte gar nicht gewußt, wo er zur Kummerentsorgung :reden: hingesollt hätte. Als Lehrer hatte er nach 1948 immer Riesenklassen, in denen auch noch die gesessen hatten, die man heutzutage in die Schule der Hilfe bzw Sonderschule hinschicken würde. So manches Mal habe ich ihn dabei gesehen, wie er den zweckentfremdeten Geigenstock wieder zusammen geleimt hatte.
Daheim hat er uns vier Kinder nie geschlagen eher dermaßen zusammen gebrüllt, daß man als Betroffener bei Wahlfreiheit lieber auf "Hinternversohlen" umgestiegen wäre.
Außer im Schulbereich wurde selbstverständlich Prügel als Erziehungsinstrument benutzt. Die Kunst, Kinder zu ihrem Wohl zu erziehen, ist nicht vielen gegeben. Da die Hemmschwelle für körperliche Züchtigung immer höher gestiegen ist und damit zumeist vermieden wird, bleiben viele erzieherische Eingriffe aus. Und hat man Eltern beigebracht, wie man das Erziehungsrepertoir einrichtet und nutzt? Unter der antiauroritären Erziehung leiden die sog. Nutznießer oft noch Jahre und Jahrzehnte danach.
Vielleicht reizt es ja den einen oder anderen, meiner ganz persönlichen Meinung eine harsche Kritik entgegen zu stellen, aber es war mir bei diesem Medienrummel um "Nichts" einfach ein Bedürfnis. :Schlaege: :Gruebeln: :evil:
Gruß
Haspelmeier :staendchen:
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Re: Prügelstrafen

Beitragvon Patric am 05 Apr 2010, 17:37

Hallo,
mir geht die Diskussion :reden: auch ein bissl auf den Keks , mittlerweile. Besonders schlimm finde ich, das immer von "Missbrauch" geredet wird, ob nun die SchülerInnen jetzt eins mit den Lineal auf die Finger bekommen haben oder, ob es massive (sexuelle) Übergriffe waren. Die Schlagzeile lautet immer: "Es hat einen neuen Missbrachsfall in Schule/Kirche X gegeben" - bringt halt Quote......
Aus meiner Sicht ist natürlich auch schon eine Erziehungsmassnahme mit dem Lineal auf die Finger, nicht akzeptierbar, aber war früher natürlich eine gängige Massnahme. Ich selbst wurde in der Grundschule (auf dem Dorf in den 70igern) auch noch so bestraft :Schlaege: , geschadet hat es mir auch nicht und das mit den "Helden-des-Lineals" wurde, analog zu Haspelmeier, bei uns auch propagiert. Wir waren auch immer 2 Klassen (1. und 2. Klasse bzw. 3./4. in einem Klassenraum) und das hätte bei weniger "Disziplin" wohl das Chaos gegeben - sprich ich könnte das hier gar nicht schreiben.
Ausserdem finde ich es immer noch "besser" (in Anführungszeichen) das ich eins vom Lehrer mit Lineal auf die Finger bekomme habe, als ich heute in der Schule um meine Jacke oder neuen (Lauf)Schuhe bzw. meinem Leben :? fürchten müsste.
enjoy the distance.
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Re: Prügelstrafen

Beitragvon Sama am 06 Apr 2010, 08:56

Hallo @ all,

ich muß Patric und haspelmeier schon irgendwie recht geben, lieber mal ein paar Ohrfeigen oder sogar ein paar Stockschläge auf den Hintern (die Betonung liegt auf „mal“!!), :Schlaege: als manche andere psychische Strafe. :Gruebeln: Die richtet bestimmt mehr Schaden im „Inneren“ eines Kindes an, als ein schmerzender Popo, der schnell wieder weg und vergessen ist.
Wir waren fünf Buben zuhause und mancher Kochlöffel zerbrach auf unseren Hintern......mir tut aus heutiger Sicht nur meine Mutter nachträglich leid.....wir waren schon so eine kleine Schar Banditen.....und aus allen ist trotzdem „was“ geworden: Zwei Doktoren(Ärzte) und drei Diplomingenieure. :sieger:
Was umgekehrt nicht heissen soll, daß man seine Kinder zur Erziehung schlagen dürfen sollte! Es war halt eine ganz andere Zeit.... wie bei Don Quijote...
:reiten:
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Re: Prügelstrafen

Beitragvon haspelmeier am 06 Apr 2010, 21:36

Hallo Sama,
heute können wir über die wirksamen Erziehungsmaßnahmen schmunzeln und möglicherweise positive Persönlichkeitsentwicklung damit in Zusammenhang bringen, wie das sehr positive Ergebnis bei Euch zeigt. :gratulieren:
Aus dem Hinweis, daß vor allem der Kochlöffel das Erziehungsinstrument :Schlaege: war, schließe ich, daß wohl die Mutter das Heft in der Hand gehalten hat.
Das hat bei mir wieder die Erinnerung an meine Jugend geweckt. Meine Eltern waren beide 40 Jahre älter als ich und in meinen Flegeljahren hat meine Mutter in Rage versetzt durch manche meiner Unzumutbarkeiten den Versuch einer körperlichen Züchtigung :Schlaege: :aetsch: unternommen. Es war immer ein 'Tänzchen :tanzmariechen: um die Möbel, das stets zu meinen Gunsten ausging und heute tut es mir fast leid, daß sie nie zum Zuge gekommen ist. Meinen großen Brüdern hat sie immer gedroht: "und wenn ihr dreißig seid, könnt ihr von mir noch was erleben" :megalacher:
Außerdem war das Miteinander unter Jügendlichen auch damals nicht nur Gerede :reden: und Streicheleinheiten :trost: , sondern Kloppereien, bei der auch Steine und Knüppel zum Einsatz kamen. Also im Prinzip ist es bei körperlichen Beschädigungen völlig egal, ob der Schädiger Kumpel, Bruder, Schwester, Lehrer, Trainer, 'Eltern oder Pfarrer ist.
Meine 5 Jahre ältere Schwester hat ihre Herrschaft über mich bis zu ihrem 13 Jahr mit körperlichen Maßnahmen ausgeübt. Erst als ich ihr aus massiver Bedrängung heraus einen wirksamen Schlag auf ihr Brustbein verpasste, hatte ich fortan wohltuende Ruhe, was auch für sie selbst ein heilsames Erlebnis war. Ich glaube, daß sie das heute gar nicht mehr weiß.
Viel Spaß mit meinen Familengeschichten.
Gruß
Haspelmeier :prost:
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Re: Prügelstrafen

Beitragvon bienchen am 01 Sep 2010, 14:59

Ich finds immer total heftig, wenn ich sowas höre, weil bei mir gab es sowas einfach nicht, aber man darf eben nicht vergessen, das es nicht überal harmonisch ist. Nicht dass ich eine Traumkindheit hatte, aber im gegensatz dazu irgendwie schon. Meine Schwester hat mir nur einmal ne Backpfeife gegeben, worauf sie sich eine meiner Mutter einfing mit dem Spruch: "Na tats weh? Deiner Schwester hats auch wehgetan!" Dann war ruhe. Das einzige was flog, waren Stofftiere und sonst sidn wir uns aus dem Weg gegangen. Ich strebe den Beruf des Lehrers an, und was ich manchmal mit ansehen muss, wie Eltern mti den Kindern umgehen, ist widerlich, weil man kaum Macht hat, einzugreifen.
ICh bin nur froh, das Häusliche Gewalt mitlerweile etwas ernster genommen wird als früher. Zwar ist es sehr lasch, aber wenn cih mir eine alte Weisheit ansehe wie: "Es ist schlimmer seine Eltern zu töten als sein Kind" kan man langsam etwas leichter zur Arbeit gehen. Eltern werden auch zur Rechenschaft gezogen, sofern jemand seinen Mund auf macht und für die Kinder spricht.
Zuletzt geändert von bienchen am 09 Sep 2010, 14:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Prügelstrafen

Beitragvon haspelmeier am 02 Sep 2010, 22:35

Hallo Bienchen,
also, daß Du so wenig geprügelt worden bist, kann ja daran liegen, daß Du ein überaus braves Kind warst oder daß Deine Eltern eine sehr hohe Reizschwelle hatten. Aber wenn Du den schweren aber schönen Beruf des Lehrers ergreifen willst, kann die Erziehung so falsch nicht gewesen sein. Für die Ausbildung und die Ausübung des Berufes, der viel Sensibilität und Geduld erfordert, wünsche ich Dir viel Erfolg und Glück.
Woher aber hast Du das alte Sprichwort über die Eltern- bzw. Kindstötung?
Abgesehen davon, daß eine Tötung überhaupt schlimm ist, frage ich mich bzw Dich, warum die Elterntötung schlimmer als die Kindstötung sein soll.
Gruß
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Re: Prügelstrafen

Beitragvon speedMouse am 08 Sep 2010, 12:02

Ich glaube die unterschiedliche Wichtung von Eltern-/Kindstötung liegt im Mythologischen o.ä. - das klingt jetzt weit ausgeholt.
z.B. Medea oder Ödipus...
Den Kindern wurde früher ein Riesenrespekt vor den Eltern anerzogen und die Ehre stand über dem Wert des Lebens.
Wenn jemand seine Eltern umbrachte, handelte er meist aus "niederen Motiven", z.B. Hass und Habgier.
Wenn Eltern ihre Kinder töteten, begründeten sie es mit der Angst vor Ehrverlust, den schlimmen Fehlern der Kinder usw., was nicht als "niederes" Motiv zählt.
Man kann noch weitergehen und sagen, dass es das Skandalöse ist, das zu töten, aus dem man hervorgegangen ist...uuuuh Philosophie...
Das mit der Sterbehilfe fällt da natürlich raus....war denen früher wohl egal, die Leute sind ja kaum in das Alter für schweren Parkinson o.ä. gekommen...
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Re: Prügelstrafen

Beitragvon bienchen am 09 Sep 2010, 14:18

Speedmouse hat es genau getroffen. Die "niederen Motive". Ich kann es zwar nachvollziehen, wenn man das Zeitalter betrachtet. Aber heute ist das wohl kaum noch relevant.
Danke für die lieben Worte, zu meiner Berufswahl. Ich werde mir immer viel Mühe geben und mein Bestes tun. Gerade in der Schule werden viele Kinder aufgefangen, die in ihrer Familie keine Beachtung finden.
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Re: Prügelstrafen

Beitragvon haspelmeier am 09 Sep 2010, 15:10

Hallo Speedmouse und Bienchen,
es ist ca 50 Jahre her, daß ich mich mit Philosophie teilhobbymäßig beschäftigt habe auch mit den Griechen. Vielleicht ist mir ein derartiges Sprichwort untergekommen und ich habe es vergessen :o oder es ist durch meinen Beruf mit der obersten Spruchweisheit "nihil nocere" :trost: verdrängt worden. Auch hier ist die Uffgab gestellt und per wikipedia oder google einfach vorzuuntersuchen. :vertrag:
Wie auch immer es damit bestellt ist: Hauptsache (@speedmouse) wir haben die Disziplin der Spartaner :body-building: und schinden uns laufend mit oder ohne lust :D bzw frust :cry: .
Gruß
Haspelmeier
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Re: Prügelstrafen

Beitragvon drun am 10 Sep 2010, 11:35

Die hippokratische Tradition fordert den moralischen Grundsatz ärztlichen Handelns "primum non nocere" (oder auch: "primum nihil nocere"), der frei aus der lateinischen Sprache bedeutet:
"Zuerst einmal nicht schaden"

Keinesfalls verwechselt werden sollte "priumum non nocere" von den Herrn Doktoren allerdings mit "ius primae noctis". Das hätte nämlich potentiell wesentlich mehr Klagen zur Folge... :megalacher:

q.e.d.
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