Lauftipps für Anfänger: Aller Anfang ist schwer

Trainingspläne zur Erhöhung der Ausdauer, schnell abnehmen, aber vor allem auch gesund abnehmen durch den gesteigerten Kalorienverbrauch und der besseren Fettverbrennung, Infos zum Marathon und Halbmarathon Trainingsplan, Regeneration sowie Tipps bei Verletzungen und Beschwerden...

Lauftipps für Anfänger: Aller Anfang ist schwer

Beitragvon Frog Doc 77 am 22 Dez 2008, 01:01

Aller Anfang ist schwer…

Wer kennt ihn nicht: Faulenzio, den inneren Schweinehund. Niemals um eine Ausrede verlegen, liegt er lieber auf der Couch, sieht Fernsehen und genehmigt sich gerne leckeres schweres Essen. Er weiß ganz genau, dass er etwas Auslauf und sportliche Betätigung braucht, gerade wenn er anfängt in die Jahre zu kommen, in denen der Stoffwechsel nicht mehr so einfach eine Pizza wegsteckt. Aber ausgerechnet heute ist es schlecht, da der Tag an sich schon so anstrengend war - ein harter Arbeitstag kostet ja immerhin schon genug Kräfte. Vielleicht läuft auch just in dem Moment die Lieblingssendung im Fernsehen, die man noch nie verpasst hat und morgen ist ja auch noch ein Tag. Seltsam, wie schnell der heutige Tag sich immer ran schleicht. Eben war es noch eine viel versprechende und mit völliger Selbstüberzeugung ausgesprochene Tatsache, dass sich ab morgen alles ändert, und dann sitzt man da und es fallen einem hundert gute Gründe ein, es doch noch mal zu verschieben... Wenn man schließlich abends ins Bett geht, weichen diese dann dem schlechten Gewissen, und plötzlich fällt es einem wie Schuppen von den Augen. Endlich sieht man klar - mal wieder: „…wenn ich erst mal loslege, kann mich nichts mehr aufhalten. Ab morgen bin ich ein anderer Mensch. Ich werde ab jetzt mindestens dreimal die Woche joggen gehen - am Besten jeden Tag und das zweimal täglich.“ Fünf Kilometer, ach was, zehn dürften für den Anfang ja kein Problem darstellen, und es wird für immer vorbei sein mit der Kurzatmigkeit und Trägheit, so wie früher, falls es ein früher gab.

Kein schlechter Ansatz, doch in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt. Wenn man nicht gerade mit John McClain (Bruce Willis in „Stirb Langsam“) verwandt ist und gewohnt, sich erst eine Pause zu gönnen, wenn alle Hindernisse beseitigt und der Krankenwagen bereit steht, sollte man die Dinge doch etwas langsamer angehen. Das Austesten der eigenen Grenzen kommt noch früh genug und spätestens beim Marathon. Wer sich direkt von Anfang an verausgabt, wird sich schnell keuchend und schwitzend mit Schmerzen in Lunge und Gliedern wieder finden und feststellen, dass Auto fahren doch viel angenehmer ist und vor allem schneller geht. Veränderungen im Leben sind niemals leicht, daher ist es besser, diese langsam angehen zu lassen, denn wer zuviel von sich abverlangt - gerade in dieser schwierigen Anfangsphase - wird eventuell eine Enttäuschung erfahren und läuft Gefahr, wieder in den gewohnten und vertrauten Alltag zurückzusiedeln. Das Eingeständnis, dass man dafür nicht geschaffen sei, mag zwar eine kurzfristige Befriedigung verheißen, doch bleibt der Nachgeschmack der Niederlage und die damit verbundene „Erkenntnis“, dass man es versuchte und scheiterte, haften, und sorgt dafür, dass weitere Versuche direkt im Keim erstickt werden.

Daher lieber realistische Ziele setzen… Drei mal die Woche ist schon ein guter Anfang, jedoch nicht auf Teufel komm raus versuchen, beim anstehenden Marathon in zwei Monaten unter drei Stunden laufen zu wollen, sondern mit 20 bis 30 Minuten Läufen beginnen. Dabei ist es auch keine Schande, wenn man Gehpausen mit einflechtet. Der Körper - sprich Muskulatur, Sehnen und Bänder, das Herz-Kreislaufsystem, sowie der Stoffwechsel usw. - müssen sich erst an diese neue Belastung herantasten. Gerade die Sehnen und die Bänder brauchen am Anfang etwas länger, um sich an die Belastung zu gewöhnen, und es wäre doch schade darum, nach den ersten Erfolgen, wenn die Motivation steigt, und man anfängt, daran Gefallen zu finden, wieder verletzungsbedingt eine Pause machen zu müssen. Sich danach wieder aufzurappeln, wenn man sich gerade wieder an die süße Frucht des Entspannens gewöhnt und der Ausspruch „Sport ist Mord“ endlich seine Bestimmung gefunden hat, ist unglaublich schwierig. Jeder Anfang ist schwer, und so ist es auch hier nicht anders. Möglicherweise hat man das Gefühl, es geht nicht vorwärts und dass es doch nicht wahr sein kann, dass man nicht mehr zu leisten vermag… Aber das ist ganz normal. Wie viele Dinge im Leben braucht auch eine zufrieden stellende Leistungssteigerung seine Zeit und die notwendige Geduld. Die Schlangenfrau im Zirkus ist auch nicht als Knoten auf die Welt gekommen... Natürlich gibt es zwischen den Menschen konditionelle und konstitutionelle Unterschiede, daher sind die vorgeschlagenen Angaben Richtwerte. Zwar sollte man schon versuchen die angegebenen Zeiten von ca. 20 bis 30 Minuten zwei bis dreimal die Woche nicht zu unterschreiten und lieber einige Gehpausen zwischendurch einlegen, wenn die Kräfte nachlassen, doch wer von Haus aus mehr kann (immerhin spielen unsere Gene was körperliche Voraussetzungen betrifft eine große Rolle), sollte sich natürlich auch nicht unterfordern. Dabei sollte man nichtsdestotrotz darauf achten, sich nicht zu überschätzen, denn wie bereits erwähnt: der Körper muss sich erst an diese neue Belastung gewöhnen.
Es besteht Mut zur Hoffnung, denn nach drei bis vor Wochen regelmäßigen Trainings werden die Gehpausen abnehmen und die gelaufene Zeit inklusive Kilometer zunehmen. Die damit verbundene Leistungssteigerung wird mit der Zeit zum Selbstläufer und den notwendigen Antrieb geben, sich stetig zu verbessern, so dass das Training eventuell von alleine zu einem täglichen Ritual wird und der Marathon nicht mehr etwas Unerreichbares darstellt.

Noch eine Anmerkung zum Schluss: Nicht nur Anfänger, sondern auch erfahrene Läufer werden immer Menschen auf ihrem Wege begegnen, die mehr drauf haben, als man selbst. Es wird immer diejenige oder denjenigen geben, die an einem vorbeiziehen, völlig gleich, wie schnell man läuft. Lassen Sie sich davon nicht einschüchtern - jeder hat mal klein angefangen, und jeder Läufer muss diese demotivierende Hürde überstehen. Sie werden sehen, mit der Zeit werden Sie zu der Läuferin bzw. dem Läufer, welche/r den Großteil des Feldes hinter sich lässt. Und für den Anfang begnügen, um nicht zu sagen „vergnügen“ Sie sich mit einem Lächeln auf dem Gesicht, an Nordic Walkern vorbeizuziehen… :twisted:
Benutzeravatar
Frog Doc 77
 
Beiträge: 8
Registriert: 17 Apr 2008, 15:54

Zurück zu Ausdauertraining und Trainingspläne

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast