Von Füßen und Laufschuhen

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Von Füßen und Laufschuhen

Beitragvon Frog Doc 77 am 23 Dez 2008, 11:05

Ode an die Füße…

Unsere armen Füße - was wir ihnen alles antun. Den ganzen Tag tragen sie uns durch die Weltgeschichte, während wir sie meist in stickiger Dunkelheit einsperren oder sie zwingen, gebeugt auf einem centgroßen Absatz zu balancieren, während ihnen gleichzeitig weisgemacht wird, sie wären in Wahrheit eine Nummer kleiner. Und in der Freizeit, wenn endlich bequeme Sportschuhe an der Reihe sein sollten, geht die Belastung erst richtig los, weil wir noch mal schnell 5, 10, 20 oder mehr Kilometer laufen müssen. Dabei bewegen unsere Füße ca. das Dreifache unseres Körpergewichts bei jedem Schritt, so dass in der Summe bei einem gemütlichen Lauf über mehrere Kilometer schon mehrere hundert Tonnen bewegt werden. Unsere Füße geben uns soviel und bringen uns voran im Leben. Daher ist es nur fair, wenn wir auch etwas für sie tun. Die Arbeit verringern wohl kaum - höchstens mal auf der Arbeit die Schuhe ausziehen zum Leidwesen der Kollegen, aber wir können die Arbeit ein wenig erleichtern, zumindest beim Laufen, mit der Wahl des richtigen Laufschuhs.
Hierbei spielen eine Menge unterschiedlicher Kriterien gleichzeitig eine Rolle. Daher ist eine kompetente Beratung mit Laufbandanalyse unabdingbar, doch kann es nicht Schaden, wenn man vorher schon ein wenig informiert ist, um nicht am Ende mit drei Paar Schuhen und zwei Tennisschlägern nach Hause zu gehen und sich zu fragen, wozu man die beim Golfen eigentlich braucht.

Damit beim Laufen nicht zuviel Gewicht auf die Gelenke wirkt, findet eine natürliche Dämpfungsbewegung statt, die sich Pronation nennt. Dabei findet eine Drehung des Fußes um seine Längsachse mit einer Bewegung nach innen statt. Ein guter Laufschuh sollte diese natürliche Dämpfungsbewegung unterstützen. Jetzt haben aber nur ca. 25 % aller Läufer (sind wir nicht alle ein bisschen Läufer) eine „normale“ Pronation bedingt durch einen „Normalfuß“. Hier findet das gewünschte Auftreten mit der äußeren Ferse und einem dämpfenden Abrollen nach innen statt, so dass ein Laufschuh mit unterstützender Wirkung zu empfehlen ist. Wenn man jedoch zufällig Bud Spencer ist und einen Plattfuß bzw. Senkfuß hat, muss man schon etwas spezieller an die Sache rangehen. Beim Plattfuß findet ein extremes Abrollen und einknicken nach innen statt. Ursachen für diese Überpronation können Übergewicht, Übermüdung oder auch Anfängerfehler sein, da der Stütz- und Bewegungsapparat noch nicht ausreichend trainiert ist. Die Abnutzung der Schuhsohle gibt einen Hinweis, da die Innenseite im Fall eines Senkfußes weniger Profil aufweisen müsste. Die Überpronation hat zwar eine stärkere Dämpfungswirkung, dafür lässt allerdings die Stabilität nach, so dass auch andere Bereiche wie Knie und Rücken zum Ausgleich benötigt werden, und deshalb Gelenke und Sehnen darunter Leiden müssen. Es werden in diesem Falle also Schuhe benötigt, welche eine besondere Stützfunktion haben und die mangelnde Stabilität ausgleichen.

Der eher seltene umgekehrte Fall ist die Unterpronation oder auch Supination, welche bei einem Hohlfuß auftritt und dazu führt, dass kein bzw. nur ein minimales Abrollen nach innen stattfindet und dadurch der Schritt kaum gedämpft wird. Gerade bei langen Läufen findet eine enorme Belastung statt, so dass dringend ein Laufschuh empfohlen ist, welcher durch eine erhöhte Dämpfungswirkung den Druck mildert.
Bei Laufschuhen ist der Fersenkeil verstärkt und wirkt daher positiv auf die Abrollbewegung nach innen. Daher ist Dämpfung ein wichtiges Kriterium, allerdings darf es nicht zu weich sein, da sonst ein ähnlicher Effekt eintritt wie bei der Überpronation. Man hat viel Dämpfung, aber wenig Stabilität - der Körper muss einen Ausgleich schaffen und die Gelenke leiden darunter. Ausschlaggebend sind natürlich auch die Art bzw. Intensität der Läufe und der Untergrund, auf dem man sich hauptsächlich bewegt. Je länger und unnachgiebiger, desto mehr Dämpfung ist sinnvoll. An sich sollte man beachten: nur soviel wie nötig und so wenig wie möglich. Dafür sollte man auf eine gute Stabilität achten, gerade wenn der Fuß von der Norm abweicht. Stabilität verringert die Verletzungsgefahr!

Wichtig ist natürlich, dass der Schuh gut passt. Nicht davon ausgehen, dass dieser sich noch weiten wird mit der Zeit. Er sollte von Anfang an für den eigenen Fuß geschaffen sein. Der Schuh muss eine unterstützende Wirkung auf die Bewegung des Fußes haben und den Fuß entsprechend führen, damit ein ideales Abrollen nach innen gewährleistet ist. Der Laufschuh sollte bei jeglicher Belastung nicht über die Sohle hängen und man sollte darauf achten, dass bis zur Spitze genug Platz ist, damit beim Abrollen die Zehen bequem nach vorne und hinten rutschen können (so Pi mal Daumen eine Daumenbreite). Es ist zu empfehlen, abends Schuhe kaufen zu gehen, da um diese Zeit die Füße eher etwas angeschwollen sind. Man sollte viel Ruhe, Geduld und ein paar Laufsocken mitbringen, da ein überhasteter Kauf niemanden hilft, und es wichtig ist, dass der Schuh auch den individuellen Laufbedingungen entspricht.

Nicht verkehrt, vor allem wenn man häufiger läuft, sind sogar zwei bis drei Paar Laufschuhe. Natürlich nicht gleich am Anfang, aber so nach und nach, da sich die Füße an die einseitige Belastung eines bestimmten Laufschuhs „gewöhnen“ können, und es zu Beschwerden kommen kann, wenn man den Laufschuh schlagartig wechselt. Daher empfiehlt es sich, zwischendurch mit mehreren Paaren zu rotieren, um so unterschiedliche Belastungssignale zu induzieren und vorzubeugen, dass sich der Körper auf eine bestimmte Art einstellt. Es sollte immer darauf geachtet werden, dass die Hauptmerkmale Dämpfung und Stabilität sowie die Führungseigenschaft der Schuhe erfüllt werden. Wie lange ein Schuh hält, ist abhängig von Gewicht, gelaufenen Kilometern und den Bedingungen, welchen man sie aussetzt bzw. wie man sie pflegt. Als Faustregel gelten 700 – 1000 km. Gerade für die hart gesottenen Läufer, für die ein Hurrikane ein willkommenes Geschenk ist mit etwas Rückenwind die Zeit zu verbessern, gehört die Pflege von Laufschuhen sicherlich zum täglichen Brot. Zumindest wäre es empfehlenswert.

Auch wenn nach 25km die Verlockung groß ist, die Schuhe in die Waschmaschine zu schmeißen, sollte man das auf keinen Fall machen. Genauso sollte man es vermeiden mit irgendwelchen Chemiekeulen à la Meister Ultrabang an die empfindlichen und kostbaren Teile heranzugehen, da man dem Material schadet und die Lebenserwartung enorm senkt. Also die Schuhe erst mal gut trocknen lassen und dabei Geduld bewahren. Keine Mikrowelle und auch kein Backofen sind dazu notwendig. Die Zeiten, dass man Schuhsohlen essen musste, sind glücklicherweise vorbei. Also auch wenn der Herd eine Umluftfunktion hat, die Schuhe lieber Lufttrocknen lassen, dann den groben Dreck abbürsten und die Schuhe mit einem nassen Handtuch sauber machen. Und wieder trocknen lassen… Zur Unterstützung kann man Papier in den Schuh stopfen, da das zusätzlich die Feuchtigkeit entzieht. Den passenden Laufschuh zu finden ist nicht so einfach, und wenn man ihn endlich hat, sollte man ihn auch nicht so leicht aufs Spiel setzten. Mit 80 bis Open End Euro (in der Regel 130€ bis 200 €) ist das Material kostbar und sollte nicht durch ungeduldige Reinigungsmaßnahmen auf’s Spiel gesetzt werden. Dann lieber ein zweites Paar, und einem regelmäßigen Training steht nichts im Weg.
Also denkt ab und zu auch mal an eure Füße - sie werden immerhin ständig an euch erinnert.

„Es ist manchmal gar nicht so schlecht schnell zu sein,
manchmal gar nicht so dumm.
Kann Dein Schwert Dich nicht retten,
da möcht’ ich doch wetten,
gäbst du sicher was d’rum!“
:lol:
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Frog Doc 77
 
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